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C.I. KulturRäume2010 - Sachsen

Sächsische Schweiz

Süd-östlich von Dresden nahe der deutsch-tschechischen Grenze liegt die Sächsische Schweiz. Unweit der Kreis­stadt Pirna gehören im ländlichen Raum Orte wie Stolpen, Königstein, Bad Schan­dau und Bad Gottleuba zu dem bekannten Urlaubsgebiet im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Weithin berühmt für sein Elbsandstein­ge­bir­ge und seine malerischen Orte entlang der Elbe und in waldigen Hügeln erhielt das Gebiet seit der Wiedervereinigung aber auch immer wieder bundesweite Aufmerk­sam­keit im Zusammenhang mit negativen Schlagzeilen zu Rechtsextremismus in Deutschland. Mit den Skinheads Säch­si­sche Schweiz trieb dort seit Ende der 90er Jahre eine der größten bisher bekannt gewordenen neonazistischen Kamerad­schaf­ten ihr Unwesen. Auch ihr Verbot in 2001 und die Verurteilung einiger ihrer Kader für die Bildung einer kriminellen Vereinigung in 2003 konnten die gesell­schaft­liche Problematik nicht überwinden. Dabei kommt der NPD vor Ort immense Integrationskraft für die extrem rechte Szene zu. Die lokale NPD zeigte sich immer interessiert daran, auch freie Kräfte aus der Kameradschaftsszene einzubeziehen und auch für „erlebnisorientierte“ rechts­ex­trem orientierte Jugendliche attraktiv zu sein. Die Wahlergebnisse der NPD zeigen jedoch eine viel weitergehende Ver­wur­ze­lung. Mittlerweile ist die NPD in allen sächsischen Kreistagen vertreten; im Wahlkreis Sächsische Schweiz II erreichte sie bei der Landtagswahl 2009 immer noch über zehn Prozent. Im Örtchen Rein­hardts­dorf-Schöna, in der Vergangenheit bun­des­weit bekannt geworden durch seine regelmäßig erschreckenden NPD-Er­geb­nis­se, waren es auch im letzten Jahr noch 19,4 Prozent.

Doch schon lange wollen das viele Bür­gerinnen und Bürger, Schülerinnen und Schüler sowie Politikerinnen und Politiker vor Ort nicht hinnehmen. Mit der Aktion Zivilcourage, dem Alternativen Kultur- und Bildungszentrum (akubiz), dem mobilen Be­ra­tungsteam in Pirna, mit der Bürger­ini­tia­tive Reinhardtsdorf-Schöna, dem Runden Tisch in Bad Gottleuba, der AG Stolpen Tolerant haben sich vor Ort zivilgesellschaftliche Netzwerke gebildet, die sich die Zu­rück­dräng­ung extrem rechten Gedankenguts auf die Fahnen geschrieben haben.

Gemeinsam mit unserem Partner Ju­gend­land – mobile Jugendarbeit in der säch­si­schen Schweiz bieten cultures interactive e.V. mit dem Projekt KulturRäume2010 einen weiteren Baustein der Rechts­ex­tre­mis­musprävention vor Ort. Begonnen wur­de mit Projekttagen und Open Space mit den 8. Und 9. Jahrgängen an der Ludwig-Renn-Mittelschule Stolpen im Februar 09 (siehe auch Kulturzeit-Beitrag), gefolgt von der Mittelschule Bad Gottleuba im März, und schließlich dem 8. Jahrgang der Mittel­schu­le Königstein im August 09. Dabei trafen wir bei einigen auch auf Versatzstücke extrem rechter, insbesondere fremden­feind­li­cher, rassistischer Meinungen. Wir trafen aber vor allem auch auf viele Ju­gendliche, die zu NPD und Co ein klares Statement hatten:

„Nö“, und sich stattdessen für mehr Mög­lichkeiten zur kreativen Freizeitgestaltung in ihrem Umfeld interessierten. Gewünscht wurden sich Jugendclubs für unter-16-jährige, Skateparks, Orte zum legalen Graffiti-Sprühen, Breakdance-Kurse und vieles andere. Schwierig erweist sich für die Jugendlichen bei der Gestaltung ihrer Freizeit häufig die Weitläufigkeit des ländlichen Raumes und die Abhängigkeit von nicht immer ausreichenden öffentlichen Verkehrsverbindungen.

Um dem Bedarf der Jugendlichen zu de­cken und zur Stärkung alternativer Frei­zeit­möglichkeiten in der Region folgten weitere von Jugendland und cultures interactive e.V. angebotene Breakdance-, und Graffiti-Workshops. Die Stadt Königstein stellte für die Jugendlichen freundlicherweise eine (temporäre) „hall of fame“ zur Verfügung. Gemeinsam mit der Gruppe Jugendlichen, die sich seit Monaten engagiert für einen Skateplatz in Bad Schandau einsetzt, besuchten wir für einen Skateboard-Work­shop auch bei Eiseskälte im Januar 2010 die Skatehalle Dresden-Reick. Schließlich fuhr im März 2010 eine Gruppe Jugend­licher aus den verschiedenen Mittelschulen der Sächsischen Schweiz zum Berlin-Seminar, um ein Wochenende lang die Hauptstadt und ihre Skate- und Graf­fi­ti­möglichkeiten zu erkunden und sich mit Jugendlichen aus anderen Kommunen bzw. Bundesländern zu vernetzen.

Zum Abschluss des Projekts veranstalten Jugendland und cultures interactive e.V. am 12. Juni 2010 unter dem Titel „Orte ändern Dich“ eine Zukunftswerkstatt für Jugendkultur in Bad Schandau. Eingeladen werden vom Landrat bis zum Bür­ger­mei­ster, alle, die was zu sagen haben, aber ebenso der interessierte Bürger und die interessierte Bürgerin sowie Per­sön­lich­kei­ten der Jugendarbeit, der Vereine und der Schulen. Des Weiteren werden natürlich Jugendliche aus den entstandenen Ini­tia­tiv­grup­pen und durchgeführten Projekt­schul­tagen von cultures interactive e.V. ein­geladen.

Die Zukunftswerkstatt verfolgt dabei zwei zentrale Anliegen:
Einerseits dient die Veranstaltung zum ge­gen­seitigen Austausch und zur Prä­sen­ta­tion, was in den jeweiligen Regionen innerhalb des Projektes „Kulturräume 2010“ passiert ist. Andererseits haben die be­teiligten Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit, eigene Veränderungs­vor­schlä­ge einzubringen und gemeinsam an der Realisierung neuer Ideen und Wünsche in der Sächsischen Schweiz mit zu wirken. Die Zusammenarbeit zwischen den aktiven Jugendgruppen und Akteuren aus Schule, Jugendarbeit, Politik, Verwaltung und lo­kaler Zivilgesellschaft soll beispielsweise verknüpft und damit verbessert werden. Ziel ist es zusammen mit den kommunalen VerantwortungsträgerInnen Möglichkeiten für die Umsetzung der Projektideen zu erarbeiten. Ausgehend von dieser Arbeit sollen in der Zukunftswerkstatt auch lang­fris­tige Strategien für ein demokratisches und tolerantes Zusammenleben in der Region Sächsischen Schweiz erarbeitet werden.


Weitere Schwerpunktregionen:

Weimarer Land
Landkreis Parchim
Jerichower Land