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C.I. KulturRäume2010 - Jerichower Land

Das Jerichower Land

Zwischen Magdeburg und Berlin liegt in Sachsen-Anhalt der Landkreis Jerichower Land. Dazu gehören unter anderem die Kreisstadt Burg, die Städte Genthin, Parey, Gommern, Möser und Möckern.

Im Jerichower Land hat sich in den letzten Jahren eine beunruhigend aktive und äu­ßerst gewaltbereite rechtsextreme Szene entwickelt. Neben der versuchten Ein­fluss­nahme in Genthin und Umgebung lässt sich vor allem in der Kreisstadt Burg und den umliegenden Gemeinden eine aus­dif­ferenzierte rechtsextreme Szene beob­achten. Mit dem "Freien Netz Burg", gibt es eine äußerst aktive lokale Kameradschaft, die über gut funktionierende überregionale Kontakte in die rechtsextreme Kame­rad­schaftsszene verfügt. Zudem tritt ein ge­walttätiges Hooliganumfeld in Erscheinung, das sich selbst als "Blue White Street Elite" bezeichnet und bei rechts­extremen Events in der Region ebenfalls anzutreffen ist. Über die gewalttätigen Aktionen der Rechtsextremen im Jerichower Land hi­naus fällt in Burg und Umgebung eine starke Orientierung an jugendkulturellen Ausdrucksformen von Seiten rechts­ex­tremer AktivistInnen auf.
Der Vielfalt und Attraktivität rechtsextremer Erlebnisangebote stehen in der Region nur einige wenige zivilgesellschaftliche Ge­gen­kräfte und zu wenige nicht-rechte ju­gendkulturelle Angebote entgegen. Die lo­kale Jugendarbeit kann nur unter schwie­rigen finanziellen Bedingungen ihre Arbeit realisieren und erreicht gerade Jugendliche mit speziellen jugendkulturellen Interessen nur bedingt. Neben dem "Runden Tisch gegen Rechts" in Burg sind bisher nur zaghafte Ansätze bei lokalen Akteuren zu erkennen, rechtsextreme Einflussversuche zurückzudrängen.

Die Arbeit von cultures interactive e.V. im Jerichower Land begann mit einem Info­stand im Juni 2008 auf dem Marktplatz von Genthin anlässlich einer Gegenaktion ge­gen die von Rechtsextremen veranstaltete Demonstration unter dem Slogan "Nationale Zentren erkämpfen". Bei der Demonstration marschierten 300 überwiegend jugendliche Rechtsextreme am 07. Juni 2008 durch die 15.000-Einwohner-Stadt. Bereits im Vorfeld der Demonstration war es zu Auseinan­der­setzungen um einen rechtsextremen Ju­gendtreff gekommen. Die von rechts­ex­tremen Aktivist_innen in einem Indus­trie­gebiet angemieteten Räume dienten über Monate als Treffpunkt der Rechtsextremen und waren Schauplatz eines rechts­ex­tremen Konzertes und anderer Events, die von der Polizei aufgelöst werden mussten. Nach diesen Vorfällen wurde ihnen endlich der Mietvertrag gekündigt.

Ziel der Arbeit von cultures interactive e.V. im Jerichower Land ist es, rechtsextreme Einstellungen und Erscheinungsformen auf verschiedenen Ebenen anzugehen. Ei­ner­seits führen wir Projekttage und Open Spaces an Schulen durch, um Mit­be­stim­mung und Partizipation von Schüler_innen sowie eine demokratische Schulkultur zu stärken. Bisher wurden entsprechende Projekte an der Sekundarschule Brettin, der "Schule Am Baumschulenweg" in Gen­thin-Süd, der "Albrecht-Dürer"-Schule in Par­chen und der Lindenschule in Burg rea­li­siert. Ein weiteres Projekt konnte mit Unterstützung des Lokalen Aktionsplans (LAP) der Stadt Burg an der Berufs­bildenden Schule Conrad Tack in Burg durchgeführt werden.

Um der Attraktivität rechtsextremer Erleb­nis­angebote im lokalen Gemeinwesen ent­ge­genzuwirken, arbeiten wir eng mit der lokalen Jugendarbeit - dem Jugendhaus Thomas-Morus in Genthin sowie dem AK Lokale Jugendarbeit des Altkreises Genthin -zusammen. "Unser Ziel ist die Schaffung einer jugendkulturellen Infrastruktur, in der Jugendliche lernen, sich selbst für ihre Wünsche und Bedürfnisse einzusetzen. Momentan unterstützen wir beispielsweise eine Gruppe von jugendlichen Skate­boar­dern, die sich in Genthin für eine Skatehalle einsetzt, sowie den neugegründeten Verein ‚AJZ Genthin', der sich um Räume für einen Treffpunkt für alternative und nicht-rechte Jugendliche bemüht" erzählt Kevin Stützel, der die Arbeit von cultures interactive im Jerichower Land koordiniert und eng mit den Koopera­tions­part­ner_in­nen vor Ort zusammen arbeitet. Er berich­tet weiter: "Wir setzen uns für jugendliche und jugendkulturelle Belange ein und vermitteln zwischen jugendlichen In­ter­es­sen, lokalen Akteuren und Kommunalpolitik. Unsere Arbeit verstehen wir dabei als einen Beitrag für ein lebendiges und demokratisches Gemeinwesen und gegen Ausgrenzung und Diskriminierung. Unserer Meinung nach ist das die beste Prävention gegen Rechtsextremismus".

Zusammen mit unseren Koopera­tions­part­ner_in­nen vom Regionalen Beratungsteam Nord von Miteinander e.V. sowie der Mobilen Beratung für Opfer rechter Gewalt sensibilisieren und beraten wir von cul­tures interactive nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Multiplikator_innen und Akteure vor Ort für die Themen Rechts­ex­tremismus, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie.

Artikel zur Podiumsdiskussion, Volksstimme 07.06.2010


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