Forschung / Evaluation

Seit 2009 beteiligt sich CI auch an in­ter­na­tio­nalen Forschungsprojekten zu Medien, Jugendkulturen und Gewalt. Hier sind für uns zwei Kriterien entscheidend, die in der Forschungslandschaft der universitären Fach­bereiche derzeit kaum umsetzbar scheinen:

  1. Ein konsequent interdisziplinärer An­satz, der Literatur-, Kommunikations- und Kulturwissenschaften (insbesondere der Narratologie, Textlinguistik und Film­wis­sen­schaft) mit qualitativ-empirischen Methoden der Sozialwissenschaften kombiniert und der psychologische und psy­cho­dy­na­mi­sche Wissensressourcen heranzieht (ins­be­son­dere für die Biografieforschung, die Sozial- und Entwicklungspsychologie und die Kriminalistik).
  2. Ein direkter Anwendungsbezug für unsere pädagogische Praxis und unsere Bildungsprojekte in der Gewaltprävention.

Folgendes Forschungsprojekt wird derzeit im Rahmen von ‚KulturRäume2010' durch­ge­führt und erhält Förderung durch den "EU-Marie Curie Reintegration Grant", der im Anschluss an ein 2-jähriges EU-For­schungs­projekt der Universität Zürich gewährt wurde:

European Union Research Project

"Interaction with Fictional Media as Means of Understanding and Preventing Adolescent Violence and Political/ Religious Extremism" (Acronym: "Media/Anti-Violence" )
Harald Weilnböck

Junge Männer und Frauen, die zu po­li­ti­schem oder religiösem Extremismus nei­gen und/oder Gewaltbereitschaft auf­wei­sen, konsumieren fiktionale Medienstoffe. Wie alle (jungen) Menschen sehen sie Fil­me, sei es im Kino, auf DVD oder aus dem Internet; sie hören Songtexte und nehmen aus verschiedenen Quellen fiktionale oder halbfiktionale Geschichten und Erzäh­lun­gen auf. Medien-Narrative sind Teil ihrer Le­bens­welt. Dabei entwickeln sich per­sön­li­che oder gruppenspezifische Vorlieben für bestimmte Filme/Stoffe, die besonders zusagen und die besonders häufig und intensiv herangezogen werden.

Die entsprechende Forschungsfrage lau­tet: Inwiefern trifft zu, dass extremis­mus-gefährdete, gewaltbereite Jugendliche, während und indem sie fiktionale Me­dien­nar­ra­tive ihrer persönlichen Vorliebe auf­neh­men, unwillkürlich eine Form des men­talen biografischen Arbeitens voll­ziehen? Inwiefern laufen hierbei Prozesse der psychischen Bearbeitung von persönlicher, lebensgeschichtlicher Erfahrung ab -- oder werden zumindest angestoßen? Und mittels welcher pädagogischer Verfahren können diese weitgehend unbewussten Prozesse der mentalen, me­dien-gestützten Auseinandersetzung genutzt werden, um Wirkungen der Prävention und der Re­so­zialisierung zu erzielen?

Das ERG-Projekt "Media/Anti-Violence" un­terstreicht die Anwendungsorientierung des LIR-Forschungsprogramms‚ Inter­dis­zi­pli­näre Literatur- und Medien-Inter­ak­tions­for­schung', indem es mit Per­son­en­krei­sen von gesellschaftlichen Brenn­punkt­be­rei­chen arbeitet und Richtlinien für pä­da­go­gische Methoden der Prävention er­ar­beitet.